Rückblick auf eine erfolgreiche Tagung

«Lapurla aus Perspektive der Gesundheitsförderung»

Am 12. November 2022 haben die Netzwerkenden Lapurla Themen rund um kreative Freiräume aus der Perspektive der Gesundheitsförderung diskutiert: Welchen Beitrag leisten Ästhetische Bildung und Kulturelle Teilhabe zur Stärkung einer gesunden Entwicklung in den ersten Lebensjahren? Diese und weitere Fragen standen im Zentrum der zweiten nationalen Tagung Lapurla. Die renommierte Psychoanalytikerin Sophie Marinopoulos sprach zudem über das Konzept der «kulturellen Gesundheit».

Die nationale Tagung fand zweiteilig statt: Am Morgen virtuell auf Zoom (die Videos dazu findet ihr unten), am Nachmittag begrüssten wir die Netzwerkenden an insgesamt sieben regionalen Lapurla-Gastorten.

Hier haben wir für euch nochmals die Highlights der Tagung zusammengestellt. Taucht ein und lasst euch von eurer Neugier leiten!

Vormittag 9–13 Uhr: Virtuell per Zoom

Moderation: Karin Kraus, Co-Leiterin Lapurla & Sibylle Sutter Beraterin, advocacy ag

Begrüssung & Ausblick Vormittag (D/F) Karin Kraus und Sibylle Sutter
Warm-Up (D/F/I) Ankommen und eintauchen in Gruppen in einer kurzen Breakout-Session
«Frühe Kindheit: Unterwegs zum Kohärenzgefühl und zur Ästhetischen Bildung» (D) Kathrin Keller-Schuhmacher, dipl. chem., lic. phil. Psychologin, Mitglied der Gesellschaft für seelische Gesundheit, GAIMH
Breakout-Session: Was hat das mit mir zu tun?  (D/F/I) Diskussion in Gruppen: Welche Anknüpfungspunkte sehe ich für meine Praxis/meinen Alltag?
Pause
«Santé Culturelle*» – ein Konzept aus Frankreich (F) Sophie Marinopoulos, Psychologin, Psychoanalytikerin, spezialisiert auf Kinder- und Familienfragen, Vorsitzende der Fédération Nationale pour la Prévention et Promotion de la Santé Psychique (Nationaler Verband für die Prävention und Förderung der psychischen Gesundheit)
Ja, aber! Wer hinschaut, sieht, es passiert etwas (D)
Erfahrungsberichte aus der Praxis
Christina Buholzer (Kitaleiterin & Absolventin CAS Kulturelle Bildung 2017), Laura Imfeld (Co-Leiterin Kidswest & Absolventin CAS Kulturelle Bildung 2022), Nina Knecht (Theaterpädagogin und Präsidentin Verein PRIMA), Claudia Schuh (Vorstandsmitglied kkj, Autorin)
Und jetzt? Was bedeutet das Gehörte für Ermöglicher? (D/F)
Moderiertes Gespräch mit der Gesundheitsförderung Schweiz und der Politik
Elisabeth Baume-Schneider, Co-Präsidentin Alliance Enfance, Ständerätin JU, Anja Nowacki, Jessica de Bernardini, Gesundheitsförderung Schweiz
Dank, Verabschiedung und Ausblick Nachmittag (D/F)

 

Nachmittag 14:30–17 Uhr : Lokale Netzwerktreffen

Am Nachmittag fanden in allen Sprachregionen lokale Netzwerktreffen zum Erfahrungsaustausch statt.

Basel

Sternenmehr, Familycare Basel, Sternengasse 19 | Gastgeberinnen: Annika Brantschen, Fachfrau Betreuung, Gruppenleitung / CAS Kulturelle Bildung & Jessica Lüke, Pädagogische Leiterin Familycare Basel / CAS Kuverum Kulturvermittlung, 061 261 52 90

Bern

Atelier Kidswest, Holenackerstrasse 11 | Gastgeberin: Franziska Sahli (Kita Weissenstein) & Laura Imfeld (Verein Arta), 079 513 19 49

Luzern

Kunstmuseum Luzern, Europaplatz 1 | Gastgeberin: Johanna Ludwig & Salome Böni, Musikvermittlung Luzerner Sinfonieorchester, 079 226 72 25

Zürich

MegaMarie: Spiel-, Werk- und Begegnungsraum, Schiffbaustrasse 9b/c | Gastgeberinnen: Claudine Knuchel, Wissenschaftliche Mitarbeiterin MMI/Koordination MegaMarie  & Anita Mataj, Atelierleiterin & Kunstpädagogischer Auftrag im Atelier der MegaMarie, 076 701 32 36

Winterthur

Kerala Kindermuseum Naturmuseum, Museumstrasse 52 | Gastgeberin: Judith Weber, Projektleiterin Kerala, 052 267 51 66

Lugano (wegen Krankheit abgesagt)

LAC Lugano Arte e Cultura, Piazza Bernardino Luini 6 | Gastgeberin: Isabella Lenzo, Verantwortliche Kulturvermittlung

Lausanne

Partenaire Enfance et Pédagogie (PEP), Montoie 36 | Gastgeberinnen: Sonia Meyer, Beauftragte Kulturelle Teilhabe, Stadt Lausanne & Sabine Germann, Pädagogische Beratung Partenaire Enfance et Pédagogie (PEP), 021 617 04 00

Genf

Le Barocco, café-restaurant du Musée d’art et d’histoire, Rue Charles-Galland 2 | Gastgeberinnen: Evelyne Vachoux, Verantwortliche Kaléidoscope & Loyse Graf, Kulturvermittlerin des Musée d’art et d’histoire & Nidal Abraha, Fachfrau Betreuung bei La Coccinelle du Foyer Rigot, 079 455 21 11

«Seit ich bei Lapurla bin, fühle ich mich befreit verstanden und bestärkt!»

Monica Fischer, Kita-Leiterin und Studentin CAS Kulturelle Bildung 2022/23

Übersicht Referentinnen

Sophie Marinopoulos ist Psychologin und Psychoanalytikerin, Expertin für Kindheit und Familie. Sie setzt sich für die Anerkennung der psychischen Gesundheit als integralen Bestandteil des öffentlichen Gesundheitswesens ein. Sie ist Präsidentin der Fédération Nationale pour la Prévention et la Promotion de la Santé Psychique (Französischer Verband für die Prävention und die Förderung der psychischen Gesundheit). Sie verfasste zahlreiche Bücher sowie den Ministerialbericht für den Kulturminister über das, was sie als kulturelle Gesundheit definiert. Der Präsident der französischen Republik ernannte sie zu einer der 18 Expertinnen und Experten der «Kommission der ersten 1000 Tage».

Publikationen

Die Psychologin Kathrin Keller-Schuhmacher beschäftigt sich vertieft mit Fragen rund um Entwicklung in der frühen Kindheit und zur Verantwortung, die Gesellschaft und Politik für deren Gelingen mittragen. Keller-Schuhmacher gründete im Rahmen von GAIMH die Arbeitsgruppe Entwicklungsbegleitung, leitete im Kanton Basel-Landschaft das Projekt «Gesundheitsförderung im Frühbereich» und koordinierte das Projekt «Prävention im Frühbereich».

Élisabeth Baume-Schneider vertritt den Kanton Jura als Ständerätin in Bundesbern. Die Sozialdemokratin ist Co-Präsidentin von Alliance Enfance und macht sich damit stark für eine Politik der Frühen Kindheit. Baume-Schneider war selbst Sozialarbeiterin und mehrere Jahre Direktorin der Hochschule für Sozialarbeit und Gesundheit in Lausanne.

Die Gesundheitsförderung Schweiz GFCH initiiert, koordiniert und evaluiert Massnahmen zur Förderung der Gesundheit und zur Verhütung von Krankheiten.

Lapurla wird seit 2021 von der GFCH finanziell unterstützt.

Sibylle Sutter ist Beraterin bei advocacy ag, communication and consulting und begleitet Lapurla bei der Entwicklung und Kommunikation. Seit 2021 ist sie verantwortlich für das Weiterbildungsprogramm von vitamin B – der Fachstelle für Vereine.

Karin Kraus ist Initiantin und Co-Leiterin von Lapurla sowie Studienleiterin und Dozentin des CAS Kulturelle Bildung an der Hochschule der Künste Bern HKB. Zudem ist sie Lehrbeauftragte an diversen Fach- und Hochschulen im In- und Ausland.

«Zu viele Rituale und Strukturen, die oft starr bleiben, können das Gegenteil von Freiräumen bewirken.»

Franziska Sahli, Fachperson Betreuung und Absolventin CAS Kulturelle Bildung 2020/21

Virtuelle Zusammenkunft & Vorträge Vormittag

«Wir sind nicht da, um unsere Kinder zu beschäftigen. Wir sind da, um sie zu ernähren. Und das schaffen wir nur mit Kultur.» – Sophie Marinopoulos, Psychologin und Psychoanalytikerin, Expertin für Kindheit und Familie

Sophie Marinopoulos setzt sich für die Anerkennung der psychischen Gesundheit als integralen Bestandteil des öffentlichen Gesundheitswesens ein. An der Tagung stellte sie den von ihr begründeten Begriff der «Santé Culturelle» vor. Kulturelle Gesundheit ist ein Gesundheitsindikator für das 21. Jahrhundert. Das Konzept der Kulturellen Gesundheit erinnert an die Grundbedürfnisse unserer Kinder. Es geht darum, den Appetit des kleinen Menschen zu berücksichtigen, die Welt zu verstehen und ihr einen Sinn zu geben, damit er als Mensch wachsen kann. Kulturelle Gesundheit ist die Kultur unserer Verbindungen, die Selbsterkenntnis und die Anerkennung des Anderen fördert und zur persönlichen und sozialen Befriedung beiträgt. Die Entwicklung von Maßnahmen zur Förderung des kulturellen und künstlerischen Bewusstseins vom frühesten Kindesalter an ist gleichbedeutend mit der Berücksichtigung der sensiblen und ästhetischen Erfahrungen, von denen unsere Kinder profitieren, als Königsweg zu ihrer Gesundheit.

«Neue Projekte in der frühen Kindheit müssen durch Einbezug der Betreuungspersonen entwickelt werden.»

Daniela Savoldelli, Vizepräsidentin KKJ, Schweizerischer Verband Künste für Kinder und Jugendliche

Einblicke in die regionalen Treffen an Gastorten

«In Gruppen richtet sich meistens alles nach den ’schnellsten‘ Kindern, also nach denen, die bereit sind zu kooperieren. Wir haben in unserer Austauschgruppe darüber gesprochen, wie man in Situationen Räume für alle schaffen kann, um diejenigen Kinder zu schützen, die mehr Zeit, mehr Schutz brauchen.»

Johanna Ludwig, Musikvermittlerin Luzerner Sinfonieorchester

Was passierte an den lokalen Netzwerktreffen?

Atelier Kidswest| Gastgeberinnen: Franziska Sahli (Kita Weissenstein) & Laura Imfeld (Verein Arta)

«In Bern haben wir uns auf die Atelierstimmung eingelassen. Durch das gemeinsame kreative Tun sind wir in den Austausch gekommen. Über die Wichtigkeit von Präsenz in der Praxis mit jungen Kindern. Über Flow, eine gesunde frühe Kindheit und über die Spuren, die wir hinterlassen (möchten). Die Wirkung des Austauschs im Netzwerk Lapurla ist sehr inspiriernd und stärkend. Ein Netz, das trägt!»

Sternenmehr, Familycare Basel| Gastgeberinnen: Annika Brantschen, Fachfrau Betreuung, Gruppenleitung / CAS Kulturelle Bildung & Jessica Lüke, Pädagogische Leiterin Familycare Basel / CAS Kuverum Kulturvermittlung

«Mit grosser Neugier und Freude haben wir uns am 12. November 2022 im Anschluss an die Lapurla Tagung kennengelernt, uns ausgetauscht, Projekte vorgestellt, Visionen geträumt und gemeinsam Ideen entwickelt. Natürlich haben wir es uns auch kulinarisch gut gehen lassen.

Wir geben Kindern kreative Freiräume, ermöglichen sinnliche Erfahrungen
und lassen uns mit ihnen auf vielfältige Entdeckungsreisen ein.

Als Netzwerkgruppe werden wir zukünftig Synergien nutzen, mit- und voneinander lernen und gemeinsam aktiv sein. Dazu treffen wir uns regelmässig an verschiedenen Kulturorten in Basel. Wir freuen uns über Zuwachs.»

Partenaire Enfance et Pédagogie (PEP)| Gastgeberinnen: Sonia Meyer, Beauftragte Kulturelle Teilhabe, Stadt Lausanne & Sabine Germann, Pädagogische Beratung Partenaire Enfance et Pédagogie (PEP)

 

Lapurla-Kaffeetreffen – 12. November 2022 in Lausanne
PEP Vaud in Zusammenarbeit mit der Kulturabteilung der Stadt Lausanne

«Zwölf Fachpersonen der Frühen Kindheit und der Kultur haben sich zum Thema frühkindliche kulturelle Bildung und kulturelle Teilhabe ausgetauscht. Im ersten Teil des Treffens ging es um die am Vormittag angesprochenen Elemente und wie diese mit der kulturellen und psychischen Gesundheit der Kleinsten zusammenhängen.

In einem intensiven Austausch wurden Themen des Lapurla-Netzwerks aufgegriffen, wie die Ko-Konstruktion zwischen Erwachsenen und Kindern, die Wichtigkeit, Erfahrungen zu wiederholen, oder der Begriff des Prozesses. Weitere Schwerpunkte waren: der Wunsch, Kindern die Möglichkeit zu geben, die Begegnung mit dem Sinnlichen zu erleben, zu erforschen und zu teilen, die Erfahrung des Zuschauens oder Tätigwerdens, der Ausdruck verschiedener Emotionen, das Gefühl, die Kinder bei der Entwicklung ihres kritischen Geists und ihres Selbstwertgefühls zu unterstützen.

Am Ende des Treffens äusserte die Gruppe den Wunsch, sich wieder zu treffen, um gemeinsam ‹kulturelle› Projekte im weiteren Sinne zu fördern, und zwar fachübergreifend und unter Berücksichtigung der Besonderheiten eines jeden Bereichs, wenn möglich an verschiedenen Orten in der Region und rund um verwandte Themen.»

Kunstmuseum Luzern | Gastgeberin: Johanna Ludwig & Salome Böni, Musikvermittlung Luzerner Sinfonieorchester

«An der heutigen Austauschrunde in Luzern hatten wir es sehr inspirierend und schön, wir fanden Unterschlupf im ruhigen Luzerner Theater diskutierten spannende Fragen rund um die Niederschwelligkeit, die Machbarkeit und Prozesse von Angeboten in den Bereichen der frühen Kindheit und der ästhetischen Bildung.»

Le Barocco, café-restaurant du Musée d’art et d’histoire | Gastgeberinnen: Evelyne Vachoux, Verantwortliche Kaléidoscope & Loyse Graf, Kulturvermittlerin des Musée d’art et d’histoire & Nidal Abraha, Fachfrau Betreuung bei La Coccinelle du Foyer Rigo

«Ein fruchtbarer und dynamischer Austausch zur Frage ‹Wie können Projekte umgesetzt werden, die den Zugang zu Kultur und die kulturelle Teilhabe von Kindern in sozialen/frühkindlichen Einrichtungen in Genf konkret erleichtern?›
Diese partizipative Mikroplattform hat ihr Ziel erreicht und 14 Fachfrauen verschiedener Branchen zusammengebracht. Alle empfanden das Treffen als dynamisch und bereichernd. Es kamen konkrete Wünsche und Lösungen zum Umgehen von Hindernissen zur Sprache. Ausserdem erlaubte ein Blickwechsel, die berufliche Realität der jeweils anderen besser zu verstehen. Es wurden konkrete Wege aufgezeigt, um den Zugang zu Kultur und die kulturelle Teilhabe zu erleichtern, neue Formate zu wagen und zu erdenken und den direkten Kontakt zwischen Fachfrauen aus den Bereichen Soziales, Frühe Kindheit, Integration und Kultur zu fördern.
Und wann findet das nächste Treffen statt? So lautete die Frage zum Ende des Workshops.»

Kerala Kindermuseum Naturmuseum | Gastgeberin: Judith Weber, Projektleiterin

«Nach einer Vorstellungsrunde haben wir uns über einige Aussagen, die am Morgen in den Referaten oder Diskussionen gefallen sind ausgetauscht und noch mit eigenen Statements ergänzt. Im weiteren Verlauf haben wir die neuen «KiTaKöfferli» auf ihre Tauglichkeit, einen Museumsbesuch zu unterstützen und zu bereichern, angeschaut und uns in der letzten Stunde Zeit genommen das Angebot im Kindermuseum kennen zu lernen und in die Themen einzutauchen. Da das Kindermuseum recht gut besucht war, konnten alle Beteiligten einen lebhaften, angeregten und doch sehr entspannten Eindruck des Kindermuseumsalltags gewinnen.»

MegaMarie: Spiel-, Werk- und Begegnungsraum | Gastgeberinnen: Claudine Knuchel, Wissenschaftliche Mitarbeiterin MMI/Koordination MegaMarie  & Anita Mataj, Atelierleiterin & Kunstpädagogischer Auftrag im Atelier der MegaMarie

 

«Den Besucher:innen wurde unsere Arbeit in der MegaMarie vorgestellt und aufgezeigt, wie wir Gesundheitsförderung und kulturelle Bildung verstehen und umsetzen.

Unterschiedliches Fachwissen und Erfahrungen der einzelnen Fachpersonen ermöglichten interessante Erkenntnisse und einen anregenden Austausch. Es freute uns sehr, zu sehen, wie viele engagierte Menschen sich für die Ermöglichung und Förderung von kultureller Bildung stark machen.»

Foliensatz MegaMarie PDF

«Kinder finden im kreativen Tun zu sich selber. Die Wirkung ist spürbar.» 

Bärbel Schwarz, Lehrperson Kindergarten Kölliken