„Einen Kulturkatalog für Kinder von 0–4 Jahren zu schaffen, ist vor allem ein gemeinsamer Prozess: überzeugen, politische Unterstützung gewinnen und nachhaltige Brücken zwischen der frühen Kindheit und der Kulturwelt bauen.“

Interview mit Elsa Veillard, Projektleiterin im Dienst für frühe Kindheit der Stadt Lausanne.

Im Anschluss an die Teilnahme von Elsa Veillard an der 5. nationalen Tagung von Lapurla (November 2025) sowie an die Veröffentlichung eines Artikels der Stadt Lausanne über ihre Arbeit wollten wir ihr das Wort geben.
Als Projektleiterin im Dienst für frühe Kindheit der Stadt Lausanne ist Elsa Veillard Initiantin eines wegweisenden Projekts: der Entwicklung eines Kulturkatalogs für Kinder von 0 bis 4 Jahren des Réseau-L.

In diesem Interview spricht sie über die Entstehung dieses Vorhabens, die politischen und institutionellen Rahmenbedingungen, die seine Umsetzung ermöglicht haben, über die Rolle der pädagogischen Teams und der Kunstschaffenden sowie über die Qualitätsanforderungen an kulturelle Angebote für die frühe Kindheit.
Ein inspirierender Erfahrungsbericht für alle Gemeinden, die ihrerseits Räume für kreative und kulturelle Teilhabe von Anfang an eröffnen möchten.

foto: Daniel Munster

Wie ist die Idee entstanden, einen Kulturkatalog des Réseau-L für Vorschulkinder in Lausanne zu entwickeln?
Da es in der Stadt Lausanne seit mehreren Jahren einen Katalog mit Kulturangeboten für Kinder im Schulalter gibt, erschien es mir naheliegend, auch ein Angebot für Kinder im Vorschulalter zu schaffen.

Wenn du den Katalog in wenigen Worten vorstellen müsstest: Was bietet er und an wen richtet er sich genau?
Der Katalog richtet sich an Vorschulkinder, die die Betreuungseinrichtungen des Réseau-L besuchen. Die Pilotphase, die im September 2025 begonnen hat und im März 2026 endet, umfasst neun Termine mit künstlerischen Angeboten aus dem Bereich der darstellenden Künste.

Was wolltest du den Kindern mit diesen kulturellen Angeboten ermöglichen?
Ich möchte dem Recht der Kinder auf Zugang zu Kultur und auf Teilhabe gerecht werden und gleichzeitig den pädagogischen Fachpersonen aufzeigen, dass es möglich ist, sehr jungen Kindern Angebote aus den darstellenden Künsten zu machen und sie dabei aktiv einzubeziehen.

In einer Gemeinde bedeutet ein Projekt wie dieses oft, zu überzeugen, zu strukturieren, zu finanzieren und zu koordinieren. Was hat dir geholfen, das Projekt innerhalb der Stadt Lausanne voranzubringen?
Der Abteilungsleiter, Herr B. Martinelli, sowie der zuständige Stadtrat, Herr D. Payot, haben mir ermöglicht, einen politischen Prozess einzuleiten, um ein Budget zu erhalten. Sie haben mein Anliegen unterstützt, da sie nach unseren Gesprächen von der Bedeutung des Projekts überzeugt waren.

Wie hast du die kulturellen Institutionen und Akteurinnen und Akteure mobilisiert, damit sie sich beteiligen, und was hat ihnen geholfen, Angebote für Kinder von 0 bis 4 Jahren zu entwickeln?
Ich habe Compagnien und Festivals angesprochen, mit denen ich bereits beruflich zusammengearbeitet hatte oder die mir von Sonia Meyer vom Kulturdienst der Stadt Lausanne empfohlen wurden.
Dank ihr konnte ein reales Budget für die Honorierung der Künstlerinnen und Künstler eingeplant werden.
Einige von ihnen hatten bereits Erfahrungen mit Angeboten für ein junges Publikum. Beim neuen Projektaufruf beantworte ich jedoch viele Fragen von Interessierten, die ein Projekt einreichen möchten. Dabei wird sich zeigen, wie sich Produktionen entwickeln, die bisher noch nie für ein so junges Publikum gezeigt wurden.

Was macht deiner Meinung nach die Qualität eines kulturellen Angebots für Vorschulkinder aus?
Die Qualität hängt einerseits vom Engagement der Compagnie, von ihrer Kenntnis des jungen Publikums, von ihrem Umgang mit Zeit sowie von der Fähigkeit ab, Workshops mit Kindern anzubieten, ohne ein konkretes Ergebnis zu erwarten und ohne dass jedes Kind zwingend teilnehmen muss.
Andererseits geht es darum, den Kindern zuzuhören, sie zu beobachten und einfache Angebote zu machen, ohne viel technische Mittel einzusetzen.

Welche Rolle spielen die Vorschuleinrichtungen des Réseau-L und die pädagogischen Teams in diesem Projekt?
Eine Ressourcengruppe «Kultur und Kleinkinder», die ich koordiniere, arbeitet das ganze Jahr über daran, zu reflektieren, was für ein junges Publikum am geeignetsten ist.
Die Einrichtungen nehmen die kulturellen Angebote auf und engagieren sich für deren reibungslosen Ablauf.
In einigen Einrichtungen ist die kulturelle Teilhabe im pädagogischen Konzept verankert und wurde gemeinsam im Team erarbeitet.

Wenn eine andere Stadt einen eigenen Kulturkatalog für die frühe Kindheit aufbauen möchte – welche drei zentralen Ratschläge würdest du geben?

  • Die pädagogischen Fachpersonen – falls nötig – von der Sinnhaftigkeit dieses Ansatzes zu überzeugen.
  • Mit politischen Entscheidungsträgerinnen und -trägern zu sprechen, um ein Budget zu erhalten.
  • Ein starkes Netzwerk mit dem künstlerischen Umfeld aufzubauen.
  • Gemeinsam im Team an der Entwicklung des Kulturkatalogs zu arbeiten.

Vielen Dank für das Interview!
06.02.2026