Lapurla

CHIKU: Schauen und staunen, gestalten und wirken, kreativ sein.

Chinderhort Appenzell trifft Kunsthalle Ziegelhütte

Appenzell ( AI )

Kinder des Chinderhorts Appenzell besuchten an acht Terminen die Ausstellung Bauplatz Kreativität in der Kunsthalle Ziegelhütte. Am 30. September 2018 fand die Vernissage für Eltern, Verwandte und Interessierte statt, an der 75 Personen teilnahmen.

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Foto: Anita Affentranger

1. Besuchsreihe | Mai–Sep 2018: Bauplatz Kreativität

Bauplatz Kreativität

Eine Wanderausstellung der Bildschulen Schweiz

 

Übergeordnete Klammer für die Ausstellung «Bauplatz Kreativität» ist das Thema Kreativität. Was bedeutet Kreativität eigentlich? Was wird im allgemeinen Sprachgebrauch darunter verstanden? Können die glücks- und erfolgsversprechenden Floskeln rund um den Begriff Kreativität eingelöst werden? Und was heisst es, im Bereich der gestalterischen Bildung von Kindern und Jugendlichen selbst «kreativ» zu sein, kreativitätsfördernd zu handeln und gleichzeitig gestalterische Kenntnisse und Techniken zu vermitteln?

Kurzfilme zu «CHIKU»

Anhand Filmclips des Modell-Projekts «CHIKU» geben wir exemplarisch Tipps zur Ermöglichung von Kreativität. Junge Kinder haben noch keine Produktabsichten, denn sie müssen alles erst mal mit allen Sinnen spielend erfahren und damit verstehen können. Sie interessieren sich für die Eigenschaften und Beschaffenheit von Dingen. Wie sie sich anfühlen, wie sie tönen, riechen, schmecken, wie man sie stapeln, mischen, drehen, verändern und verfremden kann. Sie sind regelrechte Forscher und wahre Meister im Experimentieren.

Interview mit den beiden Pionierinnen

«Es gab diese Hochkonzentration von acht kleinen Kindern. Das war sehr beeindruckend.»

Anna Beck-Wörner

Wenn Anna Beck-Wörner und Regina Dobler über CHIKU sprechen, dann meinen sie das Projekt «CHInderhort und KUnst». Während fünf Monaten begleiteten die beiden Frauen Kleinkinder des CHinderhort Appenzell in der Kunsthalle Ziegelhütte.

 

Was war eure Motivation, bei Lapurla mit dem Projekt CHIKU mitzumachen?
AB: Mich hat Wunder genommen, ob das, was in der Fokuspublikation steht, tatsächlich funktioniert. Die aktuelle Ausstellung Bauplatz Kreativität bei uns hat sich da gleich angeboten, um mit Kleinkindergruppen zu arbeiten.


RD: Ich wollte den Kindern gerne eine neue Welt zeigen, vielleicht eine neue Bewusstseinsebene öffnen. Was gibt es noch mehr als das Legoland? Bilder, Skulpturen, Werken mit den Händen. Ich wollte den Kindern gerne eine neue Schublade öffnen.


AB: In Appenzell haben wir vielleicht schon etwas vorgespurt mit den Angeboten für Kinder. Es gibt ja bereits das Goofe-Atelier für Kinder ab sechs Jahren. In der Konstellation mit CHIKU war es uns möglich, einen Rahmen zu schaffen, der es erlaubt, mit jungen Kindern achtsam einen Kunstraum kennenzulernen.


RD: Auch die Eltern der Kinder waren sofort begeistert. Vor allem jene, die selber nicht so ins Museum gehen.

 

AB: Schön war auch von anderen BesucherInnen nachher zu hören, es sei toll, was wir hier machten mit den Kindern und sie hätten sich gefreut, den Kindern zuzusehen.


Welches waren für euch die schönsten Momente?
RD: Es gab nicht den einen Moment, sondern viele unvergessliche Momente. Es hat mich sehr berührt zu sehen, wie die Kinder so vertieft waren, dass sie sich vergassen. Es entstand eine sehr gute Energie. 


AB: Für mich waren es auch diese Schaffensmomente. Der eine zweijährige Junge, der zu Beginn etwas überfordert war von diesem grossen Raum. Am Schluss war er dann selbstverständlich da und hat einfach geleimt.  


RD: Und hat Karten geschrieben für Mama und Papa. 


AB:  Kinder brauchen einen Rahmen und Material. Dann geht es los, über eine lange Zeit. 


RD: Die Kinder waren in der neuen Umgebung viel ruhiger. Irgendwie haben sie sofort gespürt, dass dies so etwas wie ein heiliger Ort ist. Wir mussten nicht sagen, sie dürften dieses oder jenes nicht anfassen.

 
AB: Stimmt. Es gab diese Hochkonzentration von acht kleinen Kindern. Das war sehr beeindruckend.


Ihr beide seid offensichtlich ein gutes Team. Was braucht es denn sonst noch, damit so ein Projekt funktionieren kann? 
RD: In der Arbeit mit Kindern braucht es eine offene Haltung. Man kann nicht stur an einer Regel festhalten. Es hilft, wenn man Situationen so nehmen kann, wie sie einem begegnen und sagen kann, also so wie es ist, ist es einfach grad gut. Das setzt natürlich auch eine gewisse Gelassenheit voraus.


AB: Genau, eine gute Portion Flexibilität von den Projektleiterinnen braucht es, und genügend Erwachsene, die da sind. Und wir hatten ja diesen offenen, freien Raum, worin sich die Kinder frei bewegen konnten. Wir konnten einen kindgerechten Rahmen in diesem doch nicht ganz kindgerechten Umfeld schaffen.

Zudem braucht es eine Leitung und ein Team, das einen unterstützt – dies war in der Kunsthalle Ziegelhütte zu 100% gegeben – auch deshalb hat das Projekt so viel Freude gemacht.

An der Vernissage-Finissage hatten wir sehr viele Besucherinnen und Besucher, die sich alle rundum gefreut haben über CHIKU. Wir planen bereits an einem neuen, ähnlichen Projekt fürs nächste Jahr. Denn die Erfahrungen mit den Kindern haben uns sehr bereichert.

 

Interview: Monika Gut

Lapurla
Regina Dobler (links) ist Miterzieherin im Chinderhort Appenzell, Anna Beck-Wörner ist Kunstvermittlerin in der Kunsthalle Ziegelhütte Appenzell. Foto: Kathrin Schulthess. Ort: OFFCUT-Zürich

Steckbrief Projekt CHIKU

Projektpartner

Kunsthalle Ziegelhütte
Ziegeleistrasse 14 
9050 Appenzell

 

Chinderhort Appenzell
Gaiser Strasse 17
9050 Appenzell

Beteiligte Personen

Sandra Büchi (Leiterin Hortleitung), Ezra Roduner (Lernender im 3. Lehrjahr), Monika Egl (Lernende im 1. Lehrjahr), Ramona Fässler (Praktikantin), Jana Manser (Lernende im 2. Lehrjahr), Olivia Beck (Gruppenleiterin), Dr. Roland Scotti (Kurator Kunsthalle Ziegelhütte), Nicole Tropiano (Kasse & Aufsicht Museum), Ursula Schmid (Kasse und Aufsicht Museum), Elga Koch-Busatta (Kasse und Aufsicht Museum), Marieke Suter-Ros (Kasse und Aufsicht Museum).

Förderer

Finanziert durch Chinderhort Appenzell, Kunsthalle Ziegelhütte Heinrich Gebert Kulturstiftung Appenzell sowie einen Impulsbeitrag von Lapurla (2018).

Projektleitung

Anna Beck-Wörner
Kulturvermittlerin Kunsthalle Ziegelhütte
kunstvermittlung@kunsthalleziegelhuette.ch

 

Regina Dobler
Mitarbeiterin Chinderhort Appenzell
regina.dobler@gmx.ch

Teilnehmende Kinder

Noah (4), Jon (3), Jan (3), Alessia (3), Leandro (4), Alessia (5), Mia (3), Malin B. (3), Jan Luca (3), Malin W. (5), Johann (5), Fredrick (4), Marielle (3), Anita (4), Romeo (3), Emanuel (4), Ivan (4), Maurin (4), Henri (4), Gianluca (3), Benjamin (4), Kandes (4), Lilian (4), Noemi H. (2), Teemu (2), Ron (7), Lukas (8), Leron (2), Alina (2), Viktoria (4), Diego (5), Andrina (5), Gian (5), Cedric (4), Tim (7), Marius (5), Mauro (8), Nina (8), Anais (6), Stelios (8), Kay (12).

Laufzeit

Mai bis September 2018 
Fortsetzung ab Sommer 2019 anvisiert

Weitere Informationen