Lapurla

FAQ: Häufig gestellte Fragen

Antworten zur nationalen Initiative Lapurla

Lapurla befindet sich zurzeit in der Pilotphase: Wir probieren aus, lernen und passen an. Auch unsere FAQ. Aber einige Antworten auf Ihre Fragen haben wir schon jetzt parat.

Lapurla

Allgemeines

Wofür steht der Name Lapurla?
Lapurla ist ein Kunst- bzw. Fantasiename, der vom Ausdruck «L’art pour l’art»* hergeleitet ist. Diese Anlehnung schafft Bezüge zu den Kernanliegen der Initiative, nämlich das vertiefte und zweckfreie Aufgehen in künstlerisch-schöpferischem Tun. Das damit verbundene Flow-Erleben ist der Kern der Aktivität: Ästhetische Erfahrungsräume setzen einen kreativen Prozess beim Kleinkind und seinen Bezugspersonen in Gang. 

 

* Nach Duden: Kunst, die keine bestimmte Absicht und keinen [gesellschaftlichen] Zweck verfolgt; Kunst als Selbstzweck. 

 

Wieso gibt es noch keine Modellprojekte im Tessin oder in der Romandie, obwohl die Initiative national ausgerichtet ist?
Die nationale Initiative beruht auf der Fokuspublikation «Ästhetische Teilhabe und kulturelle Teilhabe – von Anfang an!» die im Mai 2017 an einem Lancierungsanlass im Migros Museum für Gegenwartskunst (Zürich) vorgestellt wurde. Mit der Initiative werden die darin proklamierten Handlungsempfehlungen umgesetzt. 

Derzeit sind Partner in der lateinischen Schweiz daran, die Fokuspublikation zu übersetzen und ebenfalls einen Lancierungsanlass zu organisieren. Wir freuen uns, wenn damit das Thema in den anderen Landesteilen angestossen wird und weitere Modellprojekte im Tessin und in der Romandie dazustossen. 

 

Müssen Kinder nun auch noch ins Museum bzw. ins Konzert oder Theater?
Die Frage trifft unseres Erachtens nicht den Punkt. Denn wir haben tradierte Vorstellungen darüber, was ein kindgerechter Ort ist. Kulturelle Orte gehören oft nicht dazu, weil wir implizite Vorstellungen darüber haben, welches Verhalten an diesen Orten erwünscht ist. Dieses folgt meist schulischen Logiken im Sinne von Vermittlung von Wissen und Kultur. Dies korrespondiert nicht mit der Art und Weise, wie Kinder lernen und sich die Welt aneignen. 

Es geht deshalb um einen grundsätzlichen Paradigmenwechsel: Nicht wir «vermitteln» den Kindern die aus unserer Erwachsenensicht für sie «geeigneten» Orte und Werke, sondern wir entdecken zusammen mit ihnen diese Orte neu und begleiten die Kinder in ihrer Neugier. Wir treten mit ihnen in einen aktiven ko-konstruktiven Dialog voller sinnlicher Erfahrungen. 

Unser Credo ist daher, Kinder im Sinne kultureller Teilhabe von Anfang an auch an kulturell bedeutenden Orten willkommen zu heissen und sie darin zu begleiten, eine Beziehung zu diesen Orten aufzubauen. Denn sie bieten für Kinder und Erwachsene Erfahrungsräume, die gemeinsam entdeckt werden wollen.

Ziele

Der Initiative Lapurla geht es um Kreativität bei Kindern von 0–4 Jahren. Wieso muss diese überhaupt gefördert werden?
Kreativität muss bei Kindern nicht gefördert werden, Kinder sind von sich aus in hohem Masse aktiv kreativ. Jeder Mensch ist grundsätzlich fähig, kreativ zu sein, in allen Lebensbereichen. 
Vielmehr ist es die überstrukturierte und leistungsorientierte Erwachsenenwelt, die den Kindern immer weniger die notwendige Offenheit zugesteht. Es fehlt eine an Stärken orientierten Grundhaltung, die es für die Anregung und Begleitung kreativer Prozesse zwingend braucht. Lapurla richtet sich daher nicht nur an die Kinder, sondern ebenso an die Erwachsenen, die dazu aufgefordert werden, Rahmenbedingungen zu schaffen, die ihnen und den Kindern vielfältige kreative Freiräume ermöglichen.

 

Kann man kreative Erfahrungsräume nur an kulturellen Orten ermöglichen?
Nein, natürlich nicht. Kreativität ist überall möglich. Für Lapurla setzen wir unseren Fokus allerdings bewusst auf Kunst und Kultur, da schöpferischem Tun ein besonders hohes Mass an ganzheitlichem und vor allem sinnlichem Bildungspotenzial innewohnt. In künstlerischen Ausdrucksweisen werden zum einen nicht nur Entwicklungsprozesse, sondern auch Emotionen und sinnliche Erfahrungen für alle Beteiligten sichtbar, hörbar und nachvollziehbar. Zum anderen entspricht dies den Kernaufgaben der Trägerschaft.

Projekte

In unserem Museum haben wir bereits ein Angebot für Kleinkinder bis 3 Jahre. Wieso behaupten die Gründerinnen, es gäbe noch keine Angebote dazu?
Es gibt noch viel zu wenig kleinkindgerechte Angebote, mit denen die Schnittstelle zwischen Früher Förderung und Kultur nachhaltig geschaffen wird. Es fehlt ein gesellschaftliches Bewusstsein, dass kulturelle Teilhabe bei der Geburt beginnt und welche Rahmenbedingungen es braucht, um die dafür notwendige Qualität sicherzustellen.
Wenn Sie bereits auf Basis einer Kooperation zwischen Einrichtungen der frühen Kindheit und Kultur eine nachhaltige Partnerschaft aufgebaut haben, freuen wir uns umso mehr, wenn wir von Ihnen erfahren.

 

Was muss ich machen, wenn ich auch mitmachen will?
Wenn Sie selbst ein Modellvorhaben umsetzen wollen, sind folgende Voraussetzungen notwendig: 
a) Sie haben eine Partnerinstitution, die an einer Kooperation mit Ihnen interessiert ist. 
b) Sie teilen unsere Werte und Haltungen (siehe Leitlinien). 
c) Die Leitung Ihrer Institution sowie die Ihrer Partnerinstitution unterstützt das Vorhaben und ist bereit, eigene Ressourcen zu investieren. 
d) Sie haben Interesse, sich mit anderen Praxispartnern auszutauschen und sind bereit, mit Ihren Erfahrungen zum Aufbau von Praxiswissen beizutragen. 
Wenn dies alles zutrifft, freuen wir uns über einen Austausch.
Wenn Sie am Austausch interessiert sind und Informationen zur Entwicklung eines Modellprojekts erhalten wollen, dann schreiben Sie uns ein E-Mail. 

 

Was ist das Besondere an einem Lapurla-Modellprojekt?
Die Initiative Lapurla möchte zu nachhaltigen Partnerschaften an der Schnittstelle Frühe Förderung und Kultur ermuntern. Dafür ist es notwendig, dass beide Partner sich auf Augenhöhe mit einer ko-konstruktiven Haltung begegnen, gemeinsam Ziele für die Zusammenarbeit formulieren und im Dialog umsetzen. Dies immer mit der Perspektive Kleinkinder im Fokus. 
Wir sind der festen Überzeugung, dass nur so etwas Neues mit Mehrwert für alle Involvierten entstehen und in der Praxis mit einer langfristigen Perspektive implementiert werden kann. Ganz im Sinne einer Stärkung des nachbarschaftlichen Verhältnisses. 

 

Wie finde ich eine Partnerinstitution?
Idealerweise befindet sich die Partnerinstitution in unmittelbarer Nähe. Denn: die Wege sollten für die Kinder möglichst kurz sein. Sonst kann es sein, dass die Kinder von der Anreise schon so voller neuer Eindrücke sind, dass alles Weitere für sie zu viel wird.
Somit kann eine kleine lokale Recherche allenfalls sinnvoll sein, um herauszufinden, welche frühkindlichen Einrichtungen bzw. kulturelle Institutionen oder Kunstschaffenden sich in der Nähe befinden. 

 

Was, wenn ich keinen Partner finde?
Wir von Lapurla arbeiten stetig daran, unsere Netzwerke auszuweiten und eine nationale Community aufzubauen. Daher spannen wir bei Bedarf gerne Fäden und bringen nach Möglichkeit potenzielle Partner zusammen. 

Haltung

Was heisst Ko-Konstruktion? Wieso erachten die Gründerinnen dies als wichtig?
Ko-Konstruktion meint, dass Menschen, die unterschiedliche Perspektiven besitzen, gemeinsam etwas Neues schaffen und dabei die Erfahrungen, Kompetenzen und Rahmenbedingungen aller Beteiligten berücksichtigen. 
Mehr dazu finden Sie in unserem Merkblatt Ko-Konstruktion.